Die Szenarioplanung bietet Unternehmen eine praktische Möglichkeit, mit Unsicherheiten umzugehen und fundiertere unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Sander Vlot, Leiter des Center of Excellence bei ORTEC Lumina, erläutert, wie eine strukturierte Szenarioplanung im Vergleich zu klassischen ‚Was-wäre-wenn-Szenarien‘ zu besser umsetzbaren Plänen führt und damit Strategie, Resilienz und Transparenz verbessert.
Praktikable Entscheidungsfindung in Zeiten geschäftlicher Unsicherheit
Unternehmen benötigen einen klaren Ansatz, um Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. Die Szenarioplanung bietet diese Struktur: Sie schafft Raum für praktikable Entscheidungen. Indem man Entscheidungen und Unsicherheiten voneinander trennt, wird es einfacher, Optionen zu bewerten, ohne unnötige Komplexität zu erzeugen oder sich auf eine trügerische Genauigkeit zu verlassen. Mit den richtigen Tools und einem geeigneten Ansatz können Unternehmen sich auf eine Reihe möglicher Szenarien in Bereichen wie Lieferketten, Investitionen, Personalplanung und Innovation vorbereiten. „Für viele Unternehmen ist dies die optimale Lösung für taktische und strategische Herausforderungen“, sagt Sander Vlot, Leiter des Center of Excellence bei ORTEC Lumina. „Es ist ein realistischer, umsetzbarer Schritt vorwärts – und genau das brauchen Unternehmen derzeit.“
Unternehmen sehen sich mit zunehmender Komplexität konfrontiert: von Störungen in der Lieferkette über geopolitische Spannungen und den Klimawandel bis hin zu Veränderungen im Kundenverhalten. Viele bestehende Planungssysteme sind nicht darauf ausgelegt, neben strategischen Entscheidungen auch mehrere Zukunftsszenarien zu berücksichtigen. „Bei ORTEC entwickeln wir Methoden, um diese Komplexität überschaubar zu machen, damit wir nicht in die Falle falscher Gewissheit tappen“, sagt Vlot.
Zunehmende Dringlichkeit: von der Effizienz zur Resilienz
Viele Jahre lang wurden Lieferketten im Hinblick auf Effizienz optimiert, wobei der Schwerpunkt auf schlanken Abläufen und Kostensenkungen lag. Dieser Ansatz war zwar unter stabilen Bedingungen wirksam, führte jedoch auch zu einer gewissen Anfälligkeit. Störungen wie die Coronapandemie oder Chipengpässe haben diese Grenzen deutlich aufgezeigt.
Die Szenarioplanung hilft Unternehmen dabei, sich auf mehrere plausible Zukunftsszenarien vorzubereiten, anstatt sich auf eine einzige Prognose zu verlassen. Dies verhilft zu Entscheidungen, die unter verschiedenen Bedingungen ihre Wirksamkeit behalten. Sander Vlot erläutert: „Wir stellen fest, dass Unternehmen mittlerweile erkennen, dass Effizienz allein nicht mehr ausreicht.“ Es ist ein deutlicher Trend hin zu Resilienz und Risikostreuung zu beobachten. „Das erfordert andere Entscheidungen, andere Abwägungen – und folglich auch andere Tools.“
Vom ‚Was wäre, wenn‘ zur strukturierten Szenarioplanung
Bei der herkömmlichen Planung stützt man sich häufig auf eine einzige Prognose und ein einziges Ergebnis. Dies funktioniert in vorhersehbaren Umgebungen, stößt jedoch bei zunehmender Unsicherheit an Grenzen. Unternehmen, die versuchen, mehrere Szenarien miteinander zu vergleichen, stehen häufig vor technischen und konzeptionellen Herausforderungen. In vielen Planungssystemen werden Szenarien als Listen behandelt, in denen Unsicherheiten und Entscheidungen miteinander kombiniert werden. Dies erschwert die Beurteilung, welche Entscheidungen in verschiedenen Zukunftsszenarien am besten funktionieren.
„Wir beobachten häufig, dass Unternehmen zwar verschiedene Szenarien entwerfen, dabei jedoch Unsicherheiten, etwa Schwankungen bei Angebot und Nachfrage, mit Entscheidungen, etwa Investitionen in Kapazitäten, vermischen. In diesem Fall berechnet man im Wesentlichen, welche Investitionen für die einzelnen möglichen Zukunftsszenarien am sinnvollsten wären. Da man sich jedoch seine bevorzugte Zukunft nicht aussuchen kann, weiß man nach wie vor nicht, welche Investitionen über alle möglichen Zukunftsszenarien hinweg das beste Gleichgewicht zwischen Effizienz, Risiko und Resilienz bieten. Deshalb sind diese vermischten Szenarien weniger praktikabel.“
Entscheidungsfindung und Unsicherheit
Ein effektiverer Ansatz besteht darin, zwischen den Faktoren zu unterscheiden, die Unternehmen beeinflussen können, und jenen, die außerhalb ihrer Einflussmöglichkeiten liegen. Unsicherheiten beschreiben verschiedene mögliche Zukunftsszenarien wie schwankende Nachfragemengen oder Versorgungsengpässe. Entscheidungen stellen die Maßnahmen dar, die ein Unternehmen ergreifen kann, etwa Investitionen in Kapazitäten oder die Änderung des Produktionszeitplans. Durch die Zusammenführung dieser Aspekte in einem strukturierten Rahmen können Unternehmen beurteilen, wie sich Entscheidungen in verschiedenen Szenarien auswirken. Jede Kombination stellt ein mögliches Ergebnis dar, das hinsichtlich Kosten, Risiko und Robustheit bewertet werden kann.
Sander Vlot erklärt: „Es handelt sich um eine pragmatische Form der Optimierung, bei der keine Wahrscheinlichkeitsverteilungen berechnet werden müssen. Stattdessen trifft man eigene Abwägungen zwischen Kosten, Risiko und Robustheit. Für Planer ist dies einfach eine sehr klare und strukturierte Methode, um Entscheidungsprozesse unter Unsicherheit zu bewältigen.“
Eine flexible Planungsumgebung
„ORTEC entwickelt häufig Software, die auf ERP-Systemen oder anderer Planungssoftware aufbaut“, erklärt Vlot. „Wir ersetzen diese Systeme nicht, wir integrieren sie. Betrachten Sie Ihr ERP-System als ‚System of Record‘, das in erster Linie auf die einheitliche Speicherung von Geschäftsdaten aus Transaktionen ausgerichtet ist, und unsere Software als ‚System of Decision Intelligence‘.“ Sie ermöglicht es den Anwendern, Szenarien zu erstellen und zu vergleichen. Dazu gehört die Bewertung von Risiken und Chancen, beispielsweise von Nachfrageschwankungen, Versorgungsengpässen oder operativen Einschränkungen.
Technologie als Katalysator in der Szenarioplanung
Dank des technologischen Fortschritts ist die Szenarioplanung heute praktikabler geworden. Durch eine erhöhte Rechenleistung und verbesserte Datenverfügbarkeit können Unternehmen leichter verschiedene Zukunftsszenarien erstellen und bewerten. „Maschinelles Lernen wird zunehmend zur Unterstützung der Entscheidungsfindung eingesetzt“, sagt Vlot. „Die Prognosefunktion kann nun mehrere Zukunftsszenarien erstellen. Das geht bereits einen Schritt über die herkömmliche Prognose, die in der Regel nur einen Ausblick bietet, hinaus.“
Anhand dieser Szenarien lassen sich Entscheidungen testen, bevor sie umgesetzt werden. In Verbindung mit Planung und Umsetzung entsteht so ein kontinuierlicher Lernzyklus, in dem Unternehmen ihre Entscheidungen auf der Grundlage tatsächlicher Ergebnisse verfeinern. „Manchmal sind einfache Modelle des maschinellen Lernens präzise genug und lassen sich zudem wesentlich schneller auswerten. Dadurch sind groß angelegte Szenarioanalysen möglich, ohne dass die Qualität allzu sehr darunter leidet.“
Strukturierte Planung als Denkweise
Szenarioplanung ist keine einmalige Maßnahme, es handelt sich um eine Disziplin. Dies erfordert eine strukturierte Herangehensweise an Unsicherheiten und Entscheidungsprozesse. Dazu gehören die Verbesserung der Datenkonsistenz sowie die Abstimmung der Prozesse zwischen den Teams und Regionen.
„Wir beobachten bei unseren Kunden oft, dass dies nicht nur zu besseren Plänen führt, sondern auch zu mehr Transparenz“, sagt Vlot. „In vielen Unternehmen ist das Erreichen eines umfassenden Überblicks – beispielsweise die länderübergreifende Simulation der Lagerbestände – ein wichtiger erster Schritt. Ausgehend davon kann man dann mit den Szenarien arbeiten.“ Die Umsetzung kann eine Herausforderung darstellen, insbesondere wenn Unternehmen unterschiedliche Systeme und Definitionen verwenden. Die Berücksichtigung dieser Unterschiede schafft jedoch die Grundlage für eine einheitlichere und zukunftsorientierte Planung.
KI bei ORTEC









